| Von
dieser Art könnte der absolute Amateurismus sein, wie man ihn weiterhin
proklamieren müßte; Amateurismus als Programm, eine geistige
Substanz! Denn zur Stunde mehr und mehr wird allgemein der weltweit forcierte,
nur kausalistische Perfektionismus-Wahn als Fehlleistung von universeller
Tragweite begriffen. Solch amateuristischer Höhepunkt in der Ausformulierung
von "Als wär’s von Beckett" hat bei seinem Autor,
Mommartz, eine ganz und gar organisch gewachsene Ausgangsposition.
Nachdem Mitte der 60-er Jahre das Experimentalsilmfestival in Knokke dem
New American Cinema als "Brückenkopf" zur Rückeroberung
der Alten Welt durch den nicht erzählenden Film gedient hatte, wurde
Lutz Mommartz dort bei nächster Gelegenheit - Ende der 60-er Jahre
- mit einem zweiten Preis ausgezeichnet und damit zum prominentesten Repräsentanten
des "anderen Kinos" in Europa stilisiert.
Unmittelbarer Nachfahre der deutschen Film-Avantgarde in den 20-er Jahren
- Victor Eggeling, Hans Richter, Walter Ruttmann u.a. - somit. Amateure
allesamt im französischen Wortsinn, Liebhaber, deren Absicht eben
nicht darauf zielte, die dramatischen Muster der Sprechbühne möglichst
unbemerkbar auf die Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Film zu übertragen.
Sie wollten vielmehr dieses Medium Film in seiner permanenten Erweiterung
selbst erfahren und anderen erfahrbar machen als eine mögliche, gänzlich
eigenständige Ausdrucksform. Zusätzlicher Köder für
die Assotiation dieses neuesten Films von Mommartz ist es allerdings,
daß er das Sprechtheater ausdrücklich reflektiert, indem er
mit dem Namen des Nobelpreisträgers Samuel Beckett gleich im Titel
das gesamte absurde Theater zitiert.: Hier speziell: Becketts "Glückliche
Tage", eine jener alltäglichen Ehetragödien - allein und
ausschließlich ausgetragen zwischen Mann und Frau und von existenziell-tragischen
Dimensionen.
Die beiden Protagonisten sind die in Düsseldorf ansässige Künstlerin
Ila Goldstern und der Mann, mit dem sie verheiratet ist, zusammenlebt
und zwei Kinder hat. "Als wär’s von Beckett" setzt
- nach dem Muster der amerikanischen Shortstory - unvermittelt und abrupt
ein mit einem wort- und gestenreich unternommenen Versuch einer Standortbestimmung
der beiden Darsteller. Retrospektiv quasi soll geklärt werden, wo
die Gründe für das definitive Scheitern der Ehe-Konstellation
zu suchen wären, damit sie - auf dem Weg über einen klärenden
Bwußtseinsprozeß - möglicherweise überwunden werden
können.
Die Frau bittet den Mann um eine letzte, neue Chance. Letztenendes doch
wenigstens um des gemeinsamen Kindes willen. Sie scheut dabei keineswegs
vor Selbstentblößung und Selbstdemütigung zurück.
Der Mann bleibt unumstößlich hart in seiner Rhetorik aussparenden
unnahbaren Unversöhnlichkeit. Er stellt fest, daß er "keine
Gewalt leiden kann, die sich als Liebe ausgibt".
(aus
Bericht: Westdeutsche Kurzfilmtage Oberhausen
1976,
Klaus U. Reinke )
|

.....
das strindbergböse, dokumentarisch belegte Portrait einer Ehe, von
dem man vergeblich hoffte, es sei 'nur' ein Spielfilm
(Gen.Anz.Bonn
28.4.76)

Unter
diesen Gesichtspunkten endlich hat sich Lutz Mommartz‘ "Als
wär’s von Beckett" als ein verbindliches Beispiel eines
heutigen kreativen Bewußtseins erwiesen : das Privateste ist noch
stets das Allgemeinste!
(Klaus
U. Reincke) |