1969 400 m IFF

21‘ 16-mm s/w


Mit Otto Kellner, Norbert Stratmann, Joseph Beuys

Die Drei geraten vor die bereits
laufende Kamera des Autors in dessen
Wohnung. Der schweigt und setzt die
Besucher dem Zuschauer aus.
Mit Beuys war diese Situation
verabredet, die beiden anderen kamen
zufällig vor ihm und spielten
instinktiv mit.

Daß in den ersten zwei Minuten das
Tonband noch nicht eingeschaltet war,
sollte den überraschten Autor zeigen,
zumal das Einschalten im Film deutlich
zu sehen ist. Doch das führte bei der
mit einigen Erwartungen verbundenen
Uraufführung in Oberhausen auf Verdruß
und zu einem Zitat in der Presse:
“und da erlebte Mommartz sein Waterloo”

Der mit Beuys anschließend gedrehte
Film über den anonymen Zuschauer hat
den Titel: Soziale Plastik

 

Mit "400 m IFF" hat Mommartz also gewissermaßen auf ein Verfahren zurückgegriffen, das er bereits mehr als vier Jahre vorher konzipiert hatte und das damals, wie er ausdrücklich betont, mit Film primär gar nichts zu tun haben sollte. Der Film selbst ist also nicht mehr das Kunstobjekt, dem das zentrale Interesse zu gelten hat. Er ist nur noch das auslösende Moment. Es geht vielmehr in erster Linie darum festzustellen, wie sich der Einzelne in Situationen verhält, in denen er nicht auf den Bereich seiner Erfahrungen zurückgreifen kann. Es geht also um einen Verhaltensforschungs-Vorgang und nicht um Filmkunst.
Mommartz zeigt in seinem Film schlagend, wie es um die Reaktionsfähigkeit seiner "Versuchspersonen" bestellt ist. Selbst ein Mann wie Beuys, der selbst mit dieser These arbeitet, zeigte sich einigermaßen konsterniert. ..... Bei Mommartz sieht man drei Personen scheitern. Sie merken alle die Ausnahmesituation, besitzen aber allesamt nicht die Souveränität, sich gegen sie durchzusetzen. Und noch während der Vorgänge auf der Leinwand wird der Betrachter zum Teilnehmer, indem er nicht um die Frage herumkommt, wie er sich in derselben Situation verhalten hätte. ......

(K.U. Reinke XV.Westd. Kurzfilmtage, Bericht 69)


IFF ist die Bezeichnung des zur Verfügung stehenden, bereits überlagerten Filmmaterials, von dem ca. 400 m für diesen Film und der Rest für "Soziale Plastik" verwendet wurden.

(Lutz Mommartz)

..... mit 400 m IFF erlebte Mommartz sein Waterloo !

(Pressezitat, Quelle verloren gegangen)